PAWEL STREIT

Belgrad

Reiseerzählung

Aus der Ferne leuchten mir von Neubauten die Logos von Huawei und Gazprom entgegen. Hunde pinkeln an Bäume, um ihr Revier zu markieren – Konzerne entsprechend auf Gebäudedächer.

Was mich ein Stück weit beruhigt: Hier gibt es zahlreiche Buchläden, ein Filmmuseum und sogar eine Feminismus-Ausstellung. Kultur wird hier also breit ausgelegt. Was mich wiederum beunruhigt: In einem Park sehe ich aus der Distanz ein Grüppchen, das mich ich sehr an Neonazis erinnert und kurz darauf lese ich im Internet von einem Graffiti, das den Kriegsverbrecher Ratio Mladic huldigt – offenbar behördlich und somit auch vom Präsidenten Vukic geduldet. Am Morgen habe ich einen Republik-Artikel gelesen, der beinahe dystopisch den Konflikt zwischen Demokratie und Autokratie prophezeit. Ukraine hin oder her, ich bin an einem weiteren solchen Brandherd.

Ich lösche ihn zumindest vorübergehend für mich selbst mit leckerem Serbischen Craftbeer. Das können sie.

Rauchen in Restaurants und Bars offenbar auch. Gefällt mir nicht. Ich verwöhnter Schweizer.

Der orthodoxe Glaube sagt mir nichts, die Architektur hingegen fasziniert mich. Grössenwahn hat nun Mal etwas Beeindruckendes an sich. Fehlende Vernunft vieler trägt dann seinen Rest dazu bei.

Hier fahren viele alte Schweizer Trams herum. Hier wird das als Städtepartnerschaft und gute Sache deklariert, ich sehe darin aber eher das Entsorgen von Altlasten. Auch unsere Autos landen hier. Ich dachte das wäre ein Vorurteil.

Alte Kanonen, Panzer und weiteres Kriegsgerät – schön aufgereiht. Papis und Söhnchen spazieren beiderlei begeistert dazwischen. An prominentester Stelle kriegt Krieg seinen Altar der Faszination. Andererseits frage ich mich, ob wir in der Schweiz uns das halt einfach nicht gewohnt sind. Bei uns steckt der Kriegseinfluss halt z.B. versteckt in Kunsthäusern. 
Eine Damenbinde, an eine Kanonenmündung (das Phallussymbol schlechthin..) geklebt, lassen mich zumindest hoffen, dass auch hier das Kriegstreiben längst nicht alle toll finden.